Patrick Maley, Chief Marketing Officer von Kewill

Die Geschwindigkeit, mit der sich Technologien weiterentwickeln, ist einfach atemberaubend. Gerade wenn sich Unternehmen an die Anwendung eines neuen Systems gewöhnt haben, wird es bereits von einer neuen Version ersetzt – oder einem neuen Produkt, einer neuen Lösung oder einer ganz neuen Art und Weise, wie gearbeitet wird. Das kann einen enormen Einfluss auf das Geschäft haben. Ein gutes Beispiel kommt aus dem Gastgewerbe. Diese Branche hat den erfolgreichen Start der „Sharing Economy” durch Anbieter wie Airbnb regelrecht verschlafen. Unternehmen neigen oft dazu, auf althergebrachte Methoden zu vertrauen. Das Ergebnis: Die agileren und flexibleren Firmen profitieren von den Vorteilen innovativer, technologiegetriebener Arbeitsprozesse.

Dasselbe passiert derzeit in der Logistik. Das Aufkommen von Drohnen und vernetzten Daten legt ganz neu fest, was in Sachen Geschwindigkeit, Flexibilität und Transparenz möglich ist. Amazon hat erst kürzlich sein „Prime Air“-Drohnenlieferkonzept vorgestellt. Auch wenn es bislang nur in der Theorie existiert, so ist dieser Ansatz doch durchaus realisierbar: Von der Bestellung bis zur Lieferung sollen nur noch 30 Minuten vergehen. Miteinander verknüpfte Daten haben einen ähnlichen Einfluss auf die Performance: Sendungsverfolgung und Frachtkonsolidierung lassen sich hierdurch nahezu in Echtzeit realisieren. Das bedeutet für Kunden und Lieferanten, dass sie rund um die Uhr aktuelle Informationen über ihre Bestellungen und Waren erhalten können.

Wie beeinflussen Trends wie diese die Logistikbranche? Was müssen Logistikunternehmen tun, um sicherzustellen, dass sie das Airbnb und kein abgeschlagener Traditionalist in diesem Szenario sind?

Bis zum Horizont und weiter: Drohnen auf dem Vormarsch

Die Drohnentechnologie hat das Potenzial, viele positive Veränderungen anzustoßen. Ein Beispiel sind ländliche Gegenden, die damit von ungewohnten Vorteilen profitieren können. Normalerweise ist der ländliche Raum benachteiligt, wenn es um Dienstleistungen wie etwa Same-Day-Delivery, also die Zustellung am selben Tag, geht. Die Anwendung von Drohnen ist hier äußerst praktikabel.

Trotz des großen Hypes könnte die Einführung der Drohnentechnologie auch zu einem Supply Chain-Albtraum führen. Insbesondere dann, wenn Logistikunternehmen ihre Geschäftsprozesse nicht auf den Prüfstand stellen und an das neue digitale Zeitalter anpassen. Doch wie gelingt der Sprung von E-Mail und Telefon zur Drohne?

Zunächst einmal müssen Unternehmen sicherstellen, dass sie ein Transportmanagementsystem im Einsatz haben, das logistische Prozesse lückenlos abbilden und automatisieren kann. Beispiele sind feste Paketgewichtsgrenzen oder die Gewährleistung, dass Drohnen auch in schwierigen Gebieten verlässlich zustellen. Das manuelle und separate Eintragen jedes einzelnen Details ist ineffizient und fehleranfällig. Eine enge Integration der verschiedenen Systeme erlaubt es Unternehmen stattdessen, sämtliche Daten strukturiert und übersichtlich zu managen.

Die Zustellung via Drohne wirft zudem Fragen auf, die eine Neuauslegung traditioneller Lieferkettenrouten thematisieren. Ein Beispiel: Wie erreichen Waren den Händler vom Ort ihrer Fertigung? Logistikunternehmen werden ihre Position in einer flexibleren Supply Chain-Landschaft überdenken und die Rolle eines künftigen Wegbereiters einnehmen müssen. Indem sie auf Cloud-basierte „Kontrollturm“-Plattformen setzen, können Supply Chain Manager jeden im Einsatzgebiet tätigen Roboter je nach Bedarf überwachen, konsolidieren und umleiten. Sie können terrestrische Drohnen beispielsweise um Verkehrsknotenpunkte herumführen oder auch komplexe Lieferrouten neu ausarbeiten, um die Zustellungszeiten zu jedem Kunden zu minimieren. Doch das ist noch nicht alles: Drohnen werden Unternehmen außerdem mit einer riesigen Anzahl an Echtzeitdaten überschwemmen, die zuvor so nicht zur Verfügung standen. Hierdurch erhöht sich der Bedarf an leistungsstarken Cloud-basierten Anwendungen, um diese Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten.

Drohnenzulieferung ist ein zentraler Schritt für unsere neue und vernetzte Welt, doch Unternehmen benötigen Flexibilität und Skalierbarkeit in ihrer Lieferkette, um auf innovative künftige Liefermethoden der Zukunft vorbereitet zu sein.

Überall vernetzt: Die Zukunft der Daten

Das Schlüsselwerkzeug einer erfolgreichen Drohnenstrategie – ja, sogar einer fortschrittlichen Supply Chain – sind Daten. Die Fähigkeit, riesige Mengen an Daten so kostengünstig wie möglich zu verfolgen, zu speichern und zu analysieren gepaart mit flächendeckender Internetvernetzung und mobilen Geräten hat die Basis für eine stets verfügbare und sehr kosteneffiziente Softwareplattform für Logistikunternehmen geschaffen.

Es gibt allerdings diverse Herausforderungen, um Daten erfolgreich in die Supply Chain zu implementieren. Diese liegen insbesondere in Geschäftsprozessen, Grenzen und sozialen Belangen. Die erste Schwierigkeit ist schlichtweg Change Management, der Bedarf, Unternehmen in die Lage zu versetzen, ihre Prozesse mithilfe entsprechender Führung großräumig anzupassen. Der Schritt in Richtung eines datenzentrierten Ansatzes ist ein großes Vorhaben, das sowohl Finanzmittel als auch Prozessunterstützung verlangt. Unternehmen sollten sich der veränderten Datennutzung nicht als zusätzlichem Werkzeug nähern. Stattdessen müssen sie es als einen zentralen Aspekt ihres Geschäftsmodells ansehen: Die Migration von Prozessen in Cloud-basierte Systeme ermöglicht es ihnen, datengestützte Einblicke schnell in ihr Arbeitsmodell einzubeziehen.

Zweitens müssen Unternehmen verstehen, dass sie nur die Basis für eine bessere Zusammenarbeit schaffen können, indem sie Grenzen innerhalb ihrer Organisation einreißen. Um diese effektivere Kollaboration zu fördern, müssen sich zwei verschiedene Unternehmen beispielsweise mit der Idee anfreunden, für ihre Bestellungen, Inventarbelange und Lieferungen über eine einzige netzwerkbasierte digitale Quelle zusammenzuarbeiten.

Drittens führen soziale Bedenken, insbesondere wenn es um private und vertrauliche Daten geht, zu Vorbehalten. Da immer mehr Informationen digitalisiert werden, darunter unweigerlich auch persönliche Daten, erhöht sich auch das Risiko, dass Hacker und nationale Aufsichts- und Überwachungsorgane versuchen könnten, Zugriff auf diese Informationen zu erlangen – und zwar aus anderen Gründen als die Lieferkette optimieren zu wollen.

Tatsächlich geht es bei Big Data darum, in der Lage zu sein, enorme Mengen verschiedenster Informationen zu verarbeiten, um so den Service, den ein Unternehmen anbietet, zu verbessern. Dies stellt für viele Unternehmen und Lösungsanbieter eine große Herausforderung dar. Wir beobachten aber auch das Aufkommen einer neuen Art kosteneffektiver Plattformen, die helfen, den Umstellungsstress zu mindern.

Ein Beispiel: Das Internet der Dinge, Internet of Things (IoT), spielt in Sachen „Datafication“ der Logistik eine Schlüsselrolle. Es ermöglicht Unternehmen den Zugriff auf „Randbereiche“, die nützliche Geschäftsinformationen bereit halten können. Mit„Rand“ sind die Funktionen gemeint, die am weitesten von den zentralen Planungseinheiten entfernt sind, beispielsweise die Temperaturkontrolle auf Anhängern oder die Positionsrückverfolgung von Containern. Jede dieser granularen Einheiten in der Transportkette kann jetzt Daten erfassen, an eine netzwerkbasierte Lösung vermitteln und so die Nachverfolgung und Entscheidungsfindung signifikant unterstützen.

Für Supply Chain-Unternehmen, die das meiste aus diesen revolutionären Technologien herausholen möchten, ist es essentiell, die passende und leistungsfähige Infrastruktur zu besitzen, die bei der effektiven Handhabung unterstützt. Die Technologie ist startklar. Woran es so manchem Unternehmen aber noch fehlt, ist die Fähigkeit, diese Technologie auch wirklich gewinnbringend und strategisch einzusetzen. Daher müssen sich Logistikunternehmen jetzt mit flexiblen Cloud-Transportmanagementsystemen ausrüsten – bevor der Wettbewerb ihnen davon springt. Technologie wird die Logistikbranche auch künftig verändern. Daher sollten Firmen jetzt in Zukunftsfähigkeit investieren.